Das
Blutbad in Mazidagi bei Mardin am Abend des 4. Mai, bei dem 44 Menschen ums
Leben gekommen sind, hat die kurdische Bevölkerung in tiefe Trauer versetzt.
Unter den Opfern befinden sich sechs Kinder und 16 Frauen, von denen drei
schwanger waren. Dieses Blutbad macht die Ernsthaftigkeit der
gesellschaftlichen Wunden deutlich sichtbar, die aufgrund des mehr als
30jährigen Krieges entstanden sind. Dieser Vorfall ist nicht etwa ein
schlichter Mord im Namen der Ehre. Es ist ein Vorfall, der sowohl aus
politischer als auch aus sozialer und juristischer Sicht bewertet werden muss.
Ein weiteres Zeichen für die
Dringlichkeit einer friedlichen Lösung der kurdischen Frage
Das
Blutbad in Mazidagi bei Mardin am Abend des 4. Mai, bei dem 44 Menschen ums
Leben gekommen sind, hat die kurdische Bevölkerung in tiefe Trauer versetzt.
Unter den Opfern befinden sich sechs Kinder und 16 Frauen, von denen drei
schwanger waren. Dieses Blutbad macht die Ernsthaftigkeit der
gesellschaftlichen Wunden deutlich sichtbar, die aufgrund des mehr als
30jährigen Krieges entstanden sind. Dieser Vorfall ist nicht etwa ein
schlichter Mord im Namen der Ehre. Es ist ein Vorfall, der sowohl aus
politischer als auch aus sozialer und juristischer Sicht bewertet werden muss.
Dieses
Massaker wurde von Dorfschützern durchgeführt, die seitens des türkischen
Staates ohne jegliche Kontrolle bewaffnet werden. Dieses Blutbad als ´Konflikt
zwischen zwei Familien` oder ´Tradition und Ehrensache` zu benennen bedeutet,
den wirklichen Umfang und die Hintergründe zu vertuschen und etwas anderes
vorzutäuschen. Statt sich mit der Lösung der kurdischen Frage zu beschäftigen,
dient das Dorfschützersystem zu nichts anderem, als die Kurden gegeneinander
aufzuspielen. Das Dorfschützersystem ist eine bewusste Politik des türkischen
Staates. In der nahen Vergangenheit sind viele andere Massaker von
Dorfschützern mit Unterstützung des Staates durchgeführt worden. Nach
offiziellen Angaben sind seit 2003 gegen 2376 Dorfschützer aufgrund
verschiedener Delikte und Verbrechen offizielle Verfahren eingeleitet worden.
Diese Fakten alleine zeigen, was für eine ernsthafte Gefahr das
Dorfschützersystem für den gesellschaftlichen Frieden darstellt.
Dieses
Blutbad, wie von offiziellen staatlichen Quellen behauptet, schlicht als ´Morde
im Namen der Ehre` zu definieren, stellt eine Verleugnung der Tatsachen dar.
Genauso oberflächlich ist es, den Vorfall mit der ´Zurückgebliebenheit dieser
Region` zu begründen. Die zahllosen ´Morde im Namen der Ehre` und ähnliche
grausame Massaker an Frauen, die aufgrund der feudal-patriarchalen
Gesellschaftsstruktur in dieser Region häufig zu sehen sind, stellen seit
Jahren eine blutende Wunde der Gesellschaft da. Das jahrelang andauernde
Kriegsklima stellt ein Hindernis vor der Überwindung dieser Rückständigkeiten
da.
Eine
Veränderung der feudal-patriarchalen Gesellschaftsstruktur ist seit Jahrzehnten
ein Ziel der DTP, die Teil der kurdischen Befreiungsbewegung ist. Die Befreiung
der Frauen und die Abschaffung patriarchaler Strukturen wurden schon immer
parallel zu der nationalen Identitätsfrage betrachtet und entsprechende
Organisationsstrukturen etc. geschaffen. Die diesbezüglich seitens der DTP seit
Jahren veranlassten und unternommenen Schritte zu leugnen, dient ebenfalls der
Leugnungspolitik der türkischen Regierung und leugnet auch die
Emanzipationsschritte der kurdischen Frauenbewegung. Das Blutbad von Mazidagi
sollte also auf keinen Fall, wie es etwa einige Frauenrechtlerinnen aus der
Türkei gemacht haben, losgelöst von der politischen Situation bewertet werden.
Tatsache ist, dass der seit Jahren andauernde Krieg ein Hindernis vor der
Überwindung dieser gesellschaftlichen Rückständigkeit darstellt.
Daher
ist es notwendig, die Waffen ruhen zu lassen und einen friedlichen Weg für eine
Lösung der kurdischen Frage zu beschreiten. Nur dann werden sich der
Umwälzungsprozess der feudalen Struktur innerhalb der Gesellschaft und die
Befreiung der Frauen beschleunigen.
Aber
leider müssen wir auch gegenwärtig feststellen, dass die türkische Regierung
auf keine der Verhandlungsangebote der kurdischen Befreiungsbewegung eingeht
und - wie an der letzten Repressionswelle der Regierung gegen die DTP deutlich
zu sehen - das Problem immer noch mit Unterdrückung, Leugnung und Vernichtung
angeht. Die Lehre, die aus dem Geschehen gezogen
werden sollte, ist die, nachhaltige Schritte für eine Lösung der kurdischen
Frage zu setzen.
Wir
verurteilen das Blutbad von Mazidagi zutiefst und möchten erneut ausdrücken,
dass solange die kurdische Frage nicht mit friedlichen Mitteln auf
demokratischem Wege gelöst wird, die Grundlage für weitere Blutbäder bestehen
bleibt. Daher nehmen wir diese Erklärung zum Anlass, die türkische Regierung
zur Bereitschaft für eine friedliche Lösung der kurdischen Frage aufzurufen und
den akutellen Beschluss der PKK, die Waffen vorläufig ruhen zu lassen, als
Verhandlungsangebot anzunehmen.
Nur dann, wenn die Waffen
schweigen, werden sich die Türen für einen gesellschaftlichen Frieden öffnen...