Frauen sind überall auf der Welt sexistischer Belästigung und patriarchaler Gewalt ausgesetzt. Sie werden im Namen der Eifersucht oder der Ehre ermordet, ausgebeutet, zwangsverheiratet, gefoltert, vergewaltigt, geschlagen, sexuell belästigt, ausgegrenzt, verstümmelt, in den Selbstmord getrieben, versklavt und als Kriegsbeute behandelt. Diese Angriffe sind keine Einzelschicksale, sondern ein systematischer Angriff gegen Frauen, der den bestehenden HERRschaftsverhältnissen innewohnt. Diese permanente Bedrohung, die Angst abends alleine auf die Straße zu gehen, der alltägliche Sexismus, die Fremdbestimmung über die Lebenswege von Frauen - diese vielfältigen Formen patriarchaler Gewalt begreifen wir als systematische Vergewaltigungskultur. Gleichzeitig werden die Arbeit und Mühen von Frauen als wertlos betrachtet und als überflüssig erklärt. Sich gegen die Ausbeutung von Frauen und gegen jegliche Form von Ausbeutung menschlicher Arbeit zu stellen, ist deshalb für uns ein menschliches Prinzip. Die kapitalistische Lebens- und Arbeitsweise bedingt eine enorme Vereinzelung der Menschen; Frauen entwickeln somit oftmals kein Bewusstsein über die Systematik der Gewalt, der sie ausgesetzt sind. Dieses Bewusstsein unter Frauen wollen wir vorantreiben, eine Solidarität untereinander entwickeln um diesen Angriffen gemeinsam entgegenzutreten. Wir wollen gemeinsam mit Frauen in allen Teilen der Welt für Gerechtigkeit, Frieden und Freiheit kämpfen.

In der Ukraine, im südkurdischen Şengal und Nigeria wurden tausende Frauen verschleppt, vergewaltigt, auf Sklaveinnenmärkten verkauft und ermordet. Terrorgruppen wie der Islamische Staat (IS) und Boko Haram sind extremer Ausdruck patriarchaler Denkweisen und machen deutlich, wie sich die Politik des Feminizids im 21. Jahrhundert noch mehr vertieft. Diese Gruppen stehen dabei nicht für sich, sondern sind durch ein weitläufiges Netz staatlicher Interessen materiell und ideologisch gestützt. Diese Angriffe verstehen wir als einen Angriff auf uns alle. Wir versprechen uns ein Ende dieser patriarchalen Gewalt nicht von Dritten, etwa Staaten oder zwischenstaatlichen Organisationen, sondern müssen unsere eigenen Antworten entwickeln. Nur der Aufbau einer eigenen Selbstverteidigung und starker Organisierung kann die patriarchalen Denkstrukturen und Politiken überwinden und ein würdiges und freies Zusammenleben aller Menschen ermöglichen.

Genau das geschieht aktuell in Rojava. In den drei selbstverwalteten, kurdischen Kantonen in Nordsyrien kämpfen die Frauen-Selbstverteidigungseinheiten YPJ für die Sicherheit von Frauen und der gesamten Gesellschaft. Sie sind Modell dafür, wie Frauen ihr Leben selbst in die Hand nehmen und sich organisieren um patriarchale Strukturen gezielt zu verändern. Genauso wie sie eine funktionierende Selbstverteidigung gegen die Angriffe von außen aufgebaut haben, arbeiten sie Hand in Hand mit den vielfältigen gesellschaftlichen Frauenorganisierungen an der Überwindung patriarchaler und männerzentrierter Strukturen im eigenen Denken und der eigenen Gesellschaft.

Der Kampf der Frauenverteidigungseinheiten YPJ in Westkurdistan/Rojava hat in allen Bereichen des Lebens einen Freiheitswillen und Widerstandsgeist geschaffen. Heute kämpfen YPJ-Kämpferinnen ohne zu zögern, entschlossen für die geschaffenen Frauenwerte sowie für die Werte der gesamten Menschheit. Sie begrenzen ihren Kampf gegen Feminizid nicht nur auf einen Tag, sondern verwandeln mit ihrem Kampf jeden Tag zum 8. März. Ihr Freiheitskampf ist zugleich eine Umarmung aller Frauen auf der gesamten Welt.

Lasst uns, anlässlich des 8. März 2015, die Angriffe auf Frauen in Shengal, Ukraine, Nigeria, Gaza und anderswo als Feminizid begreifen und den Widerstandsgeist der YPJ als Verteidigung aller Frauen, überall lebendig werden lassen. Lasst uns überall dort, wo Frauen Gewalt erfahren, den Widerstand organisieren. Lasst uns gemeinsam diesen Widerstandsgeist verbreiten, der uns gegen alle Ausprägungen des patriarchalen Herrschaftssystems vereint und stärkt!           

Es lebe der Internationale Frauenkampftag!  Jin Jiyan Azadi - Frauen Leben Freiheit!

 

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