Die menschenverachtenden und bestialischen Angriffe der Terrorgruppe IS (Islamischer Staat) bedrohen die Existenz verschiedener Völker und Glaubensgemeinschaften im Mittleren Osten. Nach den Angriffen auf Kobane/Westkurdistan und die Besetzung von Mossul/Nordirak richten sich die IS-Milizen ihre Angriffe seit Anfang August gegen die ezidisch kurdische Bevölkerung in der Region Sengal/Südkurdistan. Am 7. August haben die Terrorgruppe das Flüchtlingscamp Maxmur nähe Erbil angegriffen. 15.000 kurdische Flüchtlinge waren gezwungen zum 8. Mal wieder die Flucht ergreifen. Obwohl das Flüchtlingscamp unter dem Schutz des UNHCR bis zum Angriff der IS am 07. August stand, wurden keinerlei Sicherheitsvorkehrungen für die Flüchtlinge vorgenommen. 


Unter den Tausende Flüchtlingen ist auch Nesîbe Buldan. Sie beschreibt aus ihrer Sicht die aktuelle Situation wie folgt: „Nachdem die Angriffe der Terrorgruppe IS von Shengal aus bis hin zu Maxmur sich verbreitet hat, haben wir um einen zweiten Genozid wie Shengal zu verhinden unseren Flüchtlingscamp evakuiert. Viele Familien waren gezwungen nach Ranya, Erbil, Dohuk und Kerkuk zu fliehen. Unsere Familien halten sich derzeit in Moscheen und Schulen auf. Wir haben uns bei einer Familie aufgehalten. Wir waren insgesamt 40 Personen in einer Wohnung. In dieser Zeit haben wir keinerlei Hilfe der Regierung angenommen. Die wollen in jeder Hinsicht uns unter ihren Bann ziehen. Da waren eine Frau die der PDK anghörte. Sie wollten sowieso dass wir das Flüchtlingslager aufteilen. Doch wir werden dies niemals zulassen. So leicht können die uns nicht mit einer Assimilationspolitik vernichten“.

Wir werden uns niemals übergeben!

Buldan fuhr fort: „Seit 20 Jahren erleiden wir große Qualen. Trotz dessen haben wir weiterhin für ein gerechtes Leben gekämpft. Es ist schon das fünfte Mal das ich unseren Camp mit aufbaue. Innerhalb der letzten 20 Jahren haben wir all das erlebt was niemals in den Gedanken eines Menschen kommen würde. Vor unseren Augen wurden unsere Kinder getötet, der ständige Hunger und Durst gehörte zu unserem Leben dazu. Seit 5 Monaten stehen wir unter einem Embargo. Doch haben wir niemals aufgegeben und geben auch weiterhin nicht auf. Hinter uns steht die Bewegung PKK die unsere Sicherheit von Anfang an gewährleistet hat. Fakt ist das die Arbeiterpartei Kurdistan PKK die einzige Kraft ist die gegen die Terrorgruppe IS ankämpft und siegreich ist. Die beschützen uns alle.

Die KDP versucht uns auf ihre Seite zu ziehen

Nesibe Buldan sagte auch dass sie aufgrund der politischen Repressionen in der Türkei geflohen sind und dass sie niemals ihren Willen dem Feinden übergeben werden, aus diesem Grund auch weiterhin politische Flüchtlinge bleiben, solange die kurdische Frage politisch nicht gelöst wird. Seit 20 Jahren sind wir politische Flüchtlinge. Wir gehören niemals der südkurdischen und niemals der türkischen Staates an. Wir werden dies auch niemals akzeptieren. Ich kann ganz offen sagen, dass wir 20 Tagen in Erbil waren und niemand uns unterstützt hat. Aus diesem Grund waren wir gezwungen wieder zurück zu kommen. Ich weiß nicht ob die Terrorgruppe IS uns wieder angreifen wird oder nicht. Aber ich war gezwungen mit meiner Familie wieder zurück zu kommen. Damals haben die uns logistisch auch nicht unterstützt und jetzt auch nicht.
Seit 5 Monaten versuchen wir aus eigener Kraft uns auf Beinen zu halten. Was gerade dringend benötigt wird ist Trinkwasser. Das Problem muss schnellstmöglich gelöst werden. Auch müssen langfristige Schutzmaßnahmen für alle Flüchtlinge gewährleistet werden. Die schlechte Qualität des Wassers ist nach wie vor ein ernstzunehmendes Problem für die Gesundheit aller Flüchtlinge hier. Ich bin eine Mutter und kann meine Kinder aufgrund des Wassermangels nicht baden.

Die EU haben ihre Verantwortung nicht übernommen

Nesibe Buldan sagte weiterhin dass die Aufgabe der UNHCR heute darin besteht, für uns Flüchtlinge ein neues Camp zu errichten. Doch bislang, trotz Besichtigungen, nichts umgesetzt wurde. Zuletzt sagte Buldan: „Wir können so oder so nicht mehr unter diesen Lebensbedingungen leben. Wir haben kein Trinkwasser. Und die Wetterbedingungen sind ebenfalls schwer, der Winter kommt. Entweder wir werden schnellstmöglich sicher und langfristig untergebracht oder die Bevölkerung wird es sehr schwierig haben. Falls wir sind sicher untergebracht werden, werde ich Maxmur auch nicht verlassen. Nach 20 Jahren werde ich nicht wieder in Zelten leben. Auch die Lebensbedingungen unserer Bevölkerung in Ranya ist kritisch. Die sind in Moscheen und Schulen untergebracht. Die Situation ist sehr kritisch. Wir wollen keine Qualen mehr über uns ergehen lassen. Wir haben bis zum heutigen Tage uns nicht den Staaten übergeben, dies werden wir weiterhin nicht tun.

Trinkwasser wird dringend benötigt

Fatma Kurd sagte ebenfalls das sie auf sich alleine gestellt waren, wie die Jahre zuvor und sagte wie folgt weiter: „Aus diesem Grunde hatten wir es sehr schwierig gehabt. Wie die letzten Jahren. Da niemand uns geholfen haben, waren wir gezwungen bei unseren Verwandten in Erbil unter zu kommen. Nun haben wir beschlossen wieder zurück ins Camp zu ziehen. Wir sind zwar wieder in unserem Haus doch haben sich unsere Lebensbedingungen geändert. Wir sind Flüchtlinge und bleiben es, allein mit dieser Psyche zu leben ist nicht einfach. Meine Kinder können aus Angst nicht schlafen.

Zuletzt sagte Fatma das die Wasserversorgung problematisch ist und das kein Trinkwasser vorhanden ist. Das Wasser was wir vorher bekommen haben, haben wir jetzt nicht mehr. Einige Familien besitzen Brunnen. Wir holen aus dem Brunnen Wasser. Das Wasser ist auch nicht zum Trinken geeignet. Und das Wetter ist auch sehr warm. Unsere Ernte ist auch ausgetrocknet. Anders gesagt trotz des Wassermangels und der Wetterbedingung versuchen wir unser Leben weiterhin Aufrecht zu erhalten.

Quelle: ANF NEWS 05/09/2014

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