Dieses Wochenende ging die erste Frauenkonferenz der Jineolojî erfolgreich zu Ende, die ersten Schritte Jineolojî, d.h. Frauenwissenschaften, breit zu diskutieren, sind gegangen. Von Freitag bis Sonntag wurde an der Universität in Köln die Arbeit verschiedener Wissenschaftszweige einer kritischen Betrachtung unterzogen – einer Analyse aus weiblicher Perspektive. Zu Wort kamen dabei Philosophinnen, Soziologinnen, Feministinnen verschiedener Nationalität, insbesondere aber auch kurdische Frauenaktivistinnen und Akademikerinnen.

Jineolojî ist noch mehr als nur Kritik, sie ist vor allem auch der Vorschlag für eine Methode, alternative Formen des Denkens und Lebens zu entwerfen und eine neue Art der Organisierung zu schaffen. Daher spielte eine wesentliche Rolle bei der Konferenz auch der Bezug auf andere Kämpfe. So wurde Feminismus als ein Erbe beschrieben, auf dessen Kämpfe und Errungenschaften, die Jineoloji sich bezieht und darauf aufbauen möchte. Ann-Kristin Kowarsch ging in ihrem Vortrag „Unser Erbe und der Aufbau unserer Zukunft“ auf die Kritikpunkte und Grenzen feministischer Kämpfe ein, insbesondere auf die der 2. Welle des Feminismus, die sich aus dem politischen Zusammenhängen der 1968er entwickelte. Als Beispiel nannte sie die scharfen Abgrenzungen zwischen den verschiedensten feministischen Gruppierungen und auch Strömungen oder auch eurozentristische Perspektiven. Die verschiedenen Feminismen in Europa sei es bisher kaum gelungen, kontinuierliche und ganzheitliche Organisierungsmodelle zu entwerfen, die heute eine gesellschaftliche Alternative zum patriarchalen, kapitalistischen System darstellen. Es gilt nun Schritte zu gehen, die vielen und guten Analysen und auch Praxen der unterschiedlichen Strömungen des Feminismus aufzugreifen und in Verbindung mit neuen Schritten eine Synthese zu bilden die die gesellschaftlichen Verhältnisse grundlegend verändern kann. Die kurdische Frauenbewegung ist diesbezüglich schon sehr viele Schritte gegangen, in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten wurden in Kurdistan und im europäischen Exil Institutionen wie Frauenberatungsstellen, Kooperativen aber auch Frauenakademien aufgebaut parallel zu einer gut organisierten, auf der Straße sichtbaren Basisorganisierung.

Desweiteren berichteten Aktivistinnen verschiedener Frauenbewegungen von ihren Kämpfen. So sprachen in dieser letzten Session der Konferenz Zarife Karasungur von der Demokratischen Freien Frauenbewegung DÖKH aus Nordkurdistan und zurzeit auch Kandidatin der BDP für den Wahlkreis Bingöl, Consie Lozano von der Frauenbewegung GABRIELA aus den Philippinen und Marta Jorba und Maria Rodó de Zárate von der katalanischen Frauenbewegung GATAMAULA. Auch Margaret Owen, Anwältin und Menschenrechtlerin aus England sprach und berichtete leidenschaftlich von ihren Erfahrungen aus Rojava, das sie im Herbst letzten Jahres besuchen konnte. Viele Frauen, kämpfen an vielen Orten dieser Welt für ihre Freiheit. Es war toll einen kurzen Nachmittag das Gefühl zu haben, Teil all dieser Kämpfe zu sein, sie für einen kurzen Moment zusammengeführt zu haben in der Hoffnung, dass wir es in den zweieinhalb Konferenztagen geschafft haben, Brücken zueinander gebaut zu haben.

Weitere Themenblöcke der Konferenz waren die zu einer alternativen Geschichtsschreibung und den patriarchalen Strukturen von Gesellschaft und Wissenschaft. Während Abdullah Öcalan in seinen Verteidigungsschriften von der Existenz egalitärer, frauenzentrierter Gesellschaften ausgeht, wurde dies in der Konferenz sehr kontrovers diskutiert. Großes Interesse weckte die intensive Auseinandersetzung in den Referaten von Gönül Kaya, Havin Güneser und Rojda Yildirim über die Idee und die Umsetzung von Jineoloji. Für die Zukunft ist es wichtig diese vermittelbar zu machen und in solch an Erfahrung reichen Zusammenhängen zu diskutieren und weiterzuentwickeln.

Wissen und Wissenschaft braucht Freiheit, aber Freiheit braucht auch Wissen. Mit diesem Gedanken begann die Konferenz, die den drei kurdischen Freiheitskämpferinnen Sakine Cansiz, Leyla Saylemez und Fidan Dogan gewidmet war, die am 9.1.2013 in Paris ermordet wurden und endete am Sonntagabend mit  Applaus und Parolen.

Es war ein Anfang. Radikales Denken aus Frauenperspektive, dem radikale Schritte folgen müssen, für den Aufbau einer demokratischen, ökologischen und geschlechterbefreiten  Gesellschaft.

 

 

Aktivitäten

Spenden

Ceni Info